Philo: Extraits/Citations

Friedrich Nietzsche

DAS PHILOSOPHEN-BUCH / LE LIVRE DU PHILOSOPHE

« Bei Sokrates kommt di Wahrhaftigkeit in den Besitz der Logik : sie merkt die unendliche Schwierigkeit des richtigen Rubrizierens. / Avec Socrate la véracité commence à prendre possession de la logique : elle prend conscience de l’interminable problème posé par les classements justes. » ( … ) IDer letzte Philosoph. Der Philosoph. Betrachtungen über den Kamppf von Kunst und Erkenntnis / Le dernier philosophe. Le philosophe. Considératons sur le conflit de l’art et de la connaissance

III Erkenntnistheoretische einleitung über Wahreit und lüge im auSermoralischen Sinne. ( zusammenhängende Niederschrift.)

« In irgend einem abgelegenen Winkel des in zahlosen Sonnensystemen flimmernd ausgegoSnen Weltalls gab es einmal ein Gestirn, auf dem kluge Tiere das Erkennen erfanden. Er war die Hochmütigste und verlogenste Minute der « Weltgescichte » : aber doch nur eine Minute. Nach wenigen Artemzügen der Nature erstarrte das Gestirn, und die klugen Tiere muSten sterben. – So könnte jeman eine Fabel erfinden und würde doch nicht denügend illustriert haben, wie kläglich, wie schattenhaft und flüchtig, wie zweecklos und beliebig sich der menschliche Intellect inerhalb des Natur ausnimmt. Es gab Ewigkeiten, in denen er nicht war; wenn er wieder mit ihm vorbei ist, wird sich nichts gegeben haben. Denn es gibt für jenen Intellekt keine weitere Mission, die über das Menschenleben inausführte. Sondern menschlich ist er, und nur sein Besitzer und Erzeuger nimmt ihn so pathetisch, als ob die Angeln der Welt sisch in ihm drehten. Könnten wir uns aber mit der Mücke verständigen, so würden wir vernehmen, daS auch sie mit diesem Pathos durch die Luft schwimmt und in sich das fliegende Zentrum dieser Welt fült. Es ist nichts so verwerflich und gering in der Nature, was nicht durch einen kleinen Anhauch jener Kraft der Erkennens, so fort wie ein Sclauch aufgeschwellt würde; und wie jeder Lastträger seinen Bewunderer haben will, so meint der solzeste Mensch, der Philosoph, von allen Seiten die Augen der Weltalls teleskopisch auf sein Handeln und Denken gerichtet zu Sehen.

Es ist merkwürdig, daS dies der Intellekt zu stande bringt, er, der doch gerade nur als Hülfmittel den unglücklichsten delikatesten vergänglichsten Wesen beigegeben ist, um sie eine Minute im Dasein festzuhalten, aus dem sie sonst, ohne jene beigabe, so scnell wie Lessing’s Sohn zu flüchten allen Grund hätten. Jener mit dem Erkennen und Empfinden verbundene Hochmut, verblendende Nebel über die Augen und Sinne der Menschen legend, täuscht sie also über das Erkennen selbst die schmeichelhafteste Wertschätzung in sich trägt. Sein allgemeinste Wirkung ist Täuschung – aber auch die einzelsten Wirkungen tragen etwas von gleichem Charakter an sich.

Der Intellekt, als ein Mittel zur Erhaltung des Individuums, entfaltet seine Hauptkräfte in der Verstellung; denne diese ist das Mittel durch das die schwächeren, weniger robusten Individuen sich erhalten, als welchen einem Kampf um die Existenz mit Hörnern oder Scharfem Raubtier-GebiS zu führen versagt ist. Im Menschen kommt diese Verstellungskunfst auf ihren Gipfel : hier ist die Täuschung, das Schmeicheln, Lügen und Trügen, das Hinter-demRücken-Reden, das Repräsentieren, das im erborgten Glanze Leben, das Maskiertsein, die verhüllende Kovention, das Bühnenspiel vor anderen und vor sich selbst, kurz das fortwährende Herumflattern um die eine Flamme Eitelkeit so sehr di Regel und das Gesetz, daS fast nichts unbegreiflicher ist, als wie unter den Menschen ein ehrlicher und reiner Trieb zur Wahrheit aufkommen konnte. Sie sind tief eingetaucht in Illusionen und Traumbilder, ihr Auge gleitet nur auf derOberfläche der Dinge herum und sieht « Formen », ihre empfindung führt nirgends in die Wahrheit, sondern begnügt sich, Reize zu empfangen und gleichsam ein tastendes Spiel auf dem RÜcken der Dinge zu Spielen. Dazu läSt sic des Mensch nachts, ein Leben hindurch, in Traume belügen, ohne daS sein moralisches Gefühl dies je zu verhindern suchte: wärend es Menschen geben soll, die durch starken Willen das Schnarchen beseitig haben. Was weiS der Mensch eigentlich von sich selbst!

III Introduction théorétique sur la vérité et le mensonge au sens extra-moral.

 » Dans quelque endroit perdu d’un Univers composé d’innombrables et éblouissants systèmes solaires il y eut une fois un astre sur lequel des animaux intelligents inventèrent la connaissance. Ce fut la minute la plus téméraire et la plus trompeuse de l' »Histoire universelle » : mais juste une minute! Quelques respirations de la Nature et l’astre se congela, les animaux intelligents durent mourir – Quelqu’un pourrait ainsi imaginer une fable mais sans jamais parvenir à illustrer vraiment de quelle façon pitoyable, insignifiante, éphémère, absurde et quelconque l’intellect humaine se fait remarquer dans la Nature. Il y eut des éternités pendant lesquelles il ne fut pas. Qu’il s’efface et c’est comme si rien n’avait eu lieu. Car à cet intellect n’échoit aucune mission plus vaste qui irait au-delà de son existence propre. Il n’est qu’humain et il n’y a que son seul possesseur et producteur pour le considérer avec un tel pathos, comme si l’axe de l’Univers passait à travers lui. Pourrions nous communiquer avec la mouche que nous nous rendrions compte qu’elle évolue dans l’air avec ce même pathos et sent en elle flotter le centre de ce même Univers. Il n’y a rien dans la Nature de si bas ni de si insignifiant qui, avec une petite dose de cet instinct de connaissance, ne s’enflerait aussitôt comme une outre. Et, de même que chaque portefaix veut avoir son admirateur, de même l’homme le plus fier, le philosophe, compte bien avoir de tous côtés les yeux de l’Univers braqués comme autant de télescopes sur son action et sa pensée.

Il est étrange que ce soit l’intellect qui produise cela alors qu’il n’est qu’un outil donné aux êtres les plus malchanceux, les plus délicats et les plus éphémères pour leur permettre de se maintenir une minute dans l’existence tandis que, privés de cet ajout, ils auraient toutes les raisons de disparaître aussi vite que le fils de Lessing. Cette arrogance attachée à la faculté de connaître et de sentir, brouillard aveuglant déposé devant les yeux et les sens des hommes les trompe quant à la valeur de leur existence dans la mesure où elle porte elle-même sur la connaissance le jugement le plus flatteur – a conséquence la plus générale est l’illusion mais ses effets les plus particuliers entraînent toujours avec eux quelque chose du même ordre.

A suivre